Gesunde Ernährung von A-Z: von (G)rüntee, (H)imbeeren und (I)ngwer
Ein Beitrag von Francisca Marthaler, BSc Ernährungsberaterin FH SVDE
Ines Baltissen, BSc Ernährungsberaterin FH SVDE und Delegierte EUROPA DONNA Schweiz
Hier die Fortsetzung der Serie zur gesunden Ernährung mit den Anfangsbuchstaben G–I. Über Grüntee, Himbeeren und Ingwer lässt sich sehr viel Spannendes erzählen.
„Alle Dinge sind Gift und nichts ist ohne Gift; allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist“
G wie Grüntee
500 Milliarden Tassen Tee werden durchschnittlich weltweit pro Jahr getrunken. Davon entfallen 78% auf den Schwarztee. Durch die Fermentationsphase bei der Herstellung des schwarzen Tees werden die Polyphenole oxidiert und zu Theaflavinen umgewandelt. Die positive Wirkung der Polyphenole wird weitgehend eliminiert. Durch die Fermentation wird der Tee robuster gemacht und führt zum besseren Geschmackserhalt. Dies war früher von grosser Bedeutung, als die Schiffe zum Teil mehr als ein Jahr unterwegs waren.
Nur 20% des Weltkonsums an Tee entfallen auf den Grüntee. Die beiden Tees unterscheiden sich wesentlich, trotz ihres gemeinsamen Ursprungs. Der Grüntee enthält viel mehr krebshemmende Eigenschaften als der Schwarztee. Grüntee setzt sich aus organischen Säuren, Ligninen, Aminosäuren, Koffein (nur ein Viertel von dem des Schwarztees), Chlorophyll und aus 25-35% Polyphenolen zusammen.
Die Catechine, eine Untergruppe der Polyphenole, sind verantwortlich für die positive Wirkung des Grüntees. Sie besitzen antibakterielle, pilztötende und anti-karzinogene Eigenschaften.
Der Gehalt an Catechinen im Grüntee variiert je nach Anbauort, Erntezeit und Herstellungsverfahren.
So enthalten grüne Tees aus Japan in der Regel weitaus mehr Polyphenole als solche aus China. Auch spielt es eine Rolle wie lange die Blätter im heissen Wasser gezogen haben. Bei 8-10 Minuten werden 20% mehr Catechine freigesetzt als bei einer Ziehdauer von nur 5 Minuten.
Bei der Zubereitung von Grüntee sollte man das Wasser bis auf 60 bis 80℃ abkühlen lassen, bevor man die Blätter mit dem Wasser aufgiesst.
Durch die starken Schwankungen des Polyphenolgehalts im Grüntee wird die Analyse seiner möglichen Schutzwirkung bei Krebs erschwert. Dennoch deuten Untersuchungen aus den letzten Jahren auf eine positive Wirkung von Grüntee bei der Krebsprävention hin.
H wie Himbeeren
Wer liebt sie nicht, die roten, zarten Beeren? Ah ja, es stören eventuell die kleinen Kerne. Gerade diese bergen jedoch der Himbeeren grösstes Potenzial.
Die Himbeere gehört botanisch zu den Rosengewächsen, wächst auch in unseren Breitengraden bis zu zwei Meter hoch, hat feinstachelige Stängel und trägt von Juni bis August rote oder gelbe, saftige Beeren. Erst seit dem Mittelalter werden sie in Kulturen angebaut. Beschreibungen der schmackhaften Früchte finden sich jedoch schon in der griechischen Mythologie, deren Name „Rubus Idaeus“, Dornstrauch der Ida, aus einer Sage abgeleitet wurde. Im Deutschen leitet sich der Name von „Hintperi“ ab, was Beere der Hirschkuh bedeutet.
In der Naturheilkunde finden sämtliche Teile der Pflanze Anwendung: Salben, Tinkturen, Bäder und Tees aus Wurzeln und Blättern helfen neben den Früchten bei allerlei Beschwerden. Eingesetzt bei Magen-Darmproblemen, in der Frauenheilkunde, bei Herzkreislauf-Beschwerden sowie zur Unterstützung des Immunsystems zeigen sie positive Wirkung und kommen deshalb bei vielen Kulturen zum Einsatz. Himbeeren enthalten denn auch Gerbstoffe, Polyphenole, Vitamine und Mineralstoffe. Zu den Polyphenolen zählen die antioxydativ wirkenden Flavonoide sowie die Ellagsäure, welche in Tier- und Laboruntersuchungen eine krebshemmende Wirkung zeigt. Die Ellagsäure findet sich auch in allen anderen blauen, roten und orangen Früchten in unterschiedlicher Menge. Bei der Himbeere steckt sie primär in den Kernen, weshalb diese auch mitgegessen werden sollten.
Himbeeren liefern wenig Zucker (7g pro 100g), jedoch viele Nahrungsfasern (6.7 g/100g), Vitamin C, Betacarotin und Folat sowie Magnesium, Kalium und Calcium. Sie sind vielseitig verwendbar. Ob durch den Sommer frisch genossen oder aus dem Tiefkühler im Winter, sie bereichern unsere Müesli, Desserts, Smoothies, Milchshakes und vieles mehr mit ihrer roten Farbe, dem feinen Aroma und der Vielfalt an Sekundären Pflanzenstoffen.
Ein wahrer Booster für unser Immunsystem.
I wie Ingwer
Bereits Paracelsus lobte seine wärmende Wirkung und empfahl ihn bei Magen-Darm-Beschwerden.
Ingwer wird in China und Indien seit ältester Zeit als Heilmittel und Gewürz verwendet. In chinesischen Arzneibüchern und im Ayurveda trifft man immer wieder auf ihn. Bis heute wurden mehr als 400 Inhaltsstoffe in der Ingwerwurzel identifiziert.
Ingwer ist ein verzweigter knolliger Wurzelstock. Oberirdisch erinnert er an Schilf. Wie auch beim Apfel treffen wir gesunde Inhaltsstoffe direkt unter der Schale an. Ingwer muss nicht geschält werden.
Ingwer wirkt positiv auf das Immunsystem, bei Erkältungen und Übelkeit und wird daher teilweise auch in der Chemotherapie eingesetzt, um die Nebenwirkungen zu lindern.
Er enthält entzündungshemmende, antibakterielle, antivirale und antioxidative Inhaltsstoffe. Die wirksamen Bestandteile sind ätherische Öle und Bitterstoffe. Der scharfe Geschmack ist auf Gingerole und Shogaole zurückzuführen. Sie gehören zu den Hauptwirkstoffen.
Ausserdem unterdrücken Inhaltsstoffe des Ingwers das Wachstum des Helicobacter-pylori (Bakterien, welche Entzündungen im Magen verursachen). Dieser wird häufig mit erhöhtem Tumorerkrankungsrisiko in Zusammenhang gebracht, was mit Invitro-Experimenten belegt wurde.
Da Ingwer die Bildung von Magensäure anregt, kann es zu Sodbrennen, Aufstossen oder Magenschmerzen kommen. Es wird davon abgeraten, mehr als 50g Ingwer pro Tag zu sich zu nehmen.
Daher gilt auch hier, was Paracelsus schon lehrte: « Alle Dinge sind Gift und nichts ist ohne Gift; allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist.»